Kunst ist… ?
Die Malerei ist für mich ein faszinierendes Schauspiel.
Eine Idee - in Form einer Blindskizze, eines Details oder Fragments in meiner Umgebung oder auf einem Foto - blitzt auf und der Vorhang öffnet sich.
Die Leinwand wird zur Bühne.
Ein Strich, ein zweiter und ein dritter - die erste Form hat ihren Platz gefunden. Weitere Formen folgen: kleine, große, runde, eckige. Sie suchen ihren Platz, nehmen Kontakt zueinander auf, reagieren, taktieren. Einige drängen in die Mitte, andere bleiben am Rand, ein paar überlagern oder verzahnen sich, manche halten Distanz. Es bilden sich sowohl positive als auch negative Räume, die gleichermaßen das Spiel beeinflussen und so die Komposition mitgestalten.
Dann der Auftritt der ersten Farbe. Sie entscheidet sich für eine Form und zusammen werden sie zur Fläche. Nun möchten alle Formen eine Farbe - es wird turbulent. Welche Farbe passt zu welcher Form, welche Wirkung haben sie als Fläche? Sollen sie nebeneinander bestehen oder räumlich agieren, Kontrast oder Harmonie erzeugen?
Es geht hin und her - es wird diskutiert, verhandelt und abgewogen - ein Dialog beginnt.
Farben werden ausgetauscht, Farbtöne wechseln von warm zu kalt, von hell zu dunkel. Nuancen, Verläufe und Übergänge kommen ins Spiel. Farbspuren bleiben an Flächenrändern zurück und setzen Akzente. Mitunter geschieht viel auf einmal, wild und stürmisch. Andere Veränderungen geschehen leise und unauffällig. Aus einigen Flächen entwickeln sich unbemerkt Figuren, die mit Illusion von Licht und Schatten Räumlichkeit vortäuschen.
Und dann - Stille.
Formen, Farben, Flächen und Figuren haben sich und ihren Platz gefunden, eine innere Logik entwickelt, stehen in Spannung zueinander und befinden sich zugleich in Balance.
Das große Finale!
Das Bild strahlt Ruhe und gleichzeitig lebendige Energie aus - ist es fertig? Noch nicht.
Es ist ein Werk, das dem Betrachter Raum für eigene Interpretationen lässt.
Vieles in meinen Bildern ist bewusst offen, verfremdet, rätselhaft und uneindeutig. Ich möchte anregen, beim Betrachten mit eigenen Assoziationen zu spielen, selbst zu interpretieren und die Bilder nach persönlichem Empfinden und momentaner Stimmung zu vollenden oder einfach Freude am Schauen und Sehen zu finden.

